Vorträge und Reden 2014

Prof. Dr. Walter Siebel, Professor der Soziologie mit Schwerpunkt Stadt- und Regionalforschung, Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg
»Segregation im Wohnquartier – ein hoch umstrittenes Phänomen«

Unter Segregation versteht man die räumliche Konzentration einer sozialen Gruppe in bestimmten Wohnquartieren. In der Öffentlichkeit werden damit häufig negative Folgewirkungen assoziiert. Man muss aber differenzieren, denn entscheidend sind die Ursachen von Segregation. Es gibt auch freiwillige Segregation wie die der deutschen Oberschicht oder auch von Migranten etwa im New Yorker Stadtteil Chinatown, die positive Funktionen haben kann. Segregation, die durch Diskriminierung und Mechanismen des Wohnungsmarktes erzwungen wird, sollte dagegen nach Möglichkeit verhindert werden. Der Vortrag befasst sich auch mit stadtpolitischen Konsequenzen von Segregation.

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Jörg Franzen, Vorstandsvorsitzender GESOBAU AG Berlin
»Nachhaltige Quartiersentwicklung am Beispiel der Berliner Großsiedlung Märkisches Viertel«

Sido, Ghetto, Ausgegrenzte – selbst Berlinern fallen nicht viel mehr als diese negativen Attribute ein, wenn es um das Märkische Viertel, die einst renommierte Architektensiedlung aus den 1960er Jahren im Norden Berlins, geht. Das kommunale Wohnungsunternehmen GESOBAU hingegen investiert 560 Mllionen Euro, um in der Großsiedlung 13.000 Wohnungen energetisch zu modernisieren und den demographischen Erfordernissen anzupassen. Ziel ist es, die Zukunftsfähigkeit der Siedlung zu sichern und ein nachhaltiges Quartier für alle zu schaffen. Zum 50. Geburtstag des Märkischen Viertels im Jahr 2014 geht die GESOBAU zudem mit einem neuen Logo und einem facettenreichen Veranstaltungsprogramm in die Image-Offensive.

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Hannelore Kraft
»Perspektiven der Städte- und Wohnungsbaupolitik in NRW«

Lesen Sie dazu ein Interview mit der Ministerpräsidentin


Dr. Franz-Georg Rips, Präsident Deutscher Mieterbund
»Leben in einem solidarischen Umfeld – Kooperationsrenditen für Mieter«

Nachgegangen wird der Frage, welche Potenziale in Quartiersstrategien stecken und welche „Renditen“ sich durch sinnvolle Kooperationen er­zielen lassen. Ein besonderes Augenmerk wird darauf gerichtet, wie die Wohnungsmarktsituation für ältere Menschen und Menschen mit Behinderung verbessert werden kann. Die Aufgabenverteilung zwischen den verschiedenen Akteuren vor Ort wird ebenso thematisiert wie die Rolle, die der Nachbarschaft bei der Quartiersentwicklung zukommt. Darüber hinaus werden Grenzen und Möglichkeiten der Wohnungsunternehmen, deren Ziel es ist, die Wünsche ihrer Mieterinnen und Mieter zu berücksichtigen, aufgezeigt.

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Stefan Forster, Forster-Architekten, Frankfurt
»Wohnungsbau im städtischen Lebensraum«

Auf der einen Seite werden ganze Stadtteile ohne das Zutun von Architekten anspruchslos aus dem Boden gestampft, während auf der anderen Seite die Architektenschaft nicht müde wird, ein innovatives, experimentelles Bauen und neue Wohnformen zu fordern. Wohnbau ist jedoch kein Feld von Experimenten. Da sich das Wohnen in den letzten Jahrhunderten kaum geändert hat, geht es vielmehr darum, an die großen Wohnungsbautraditionen anzuknüpfen und an bestimmten Stellschrauben zu drehen. Sich auf Traditionen zu beziehen bedeutet, sich bewusst zu werden, dass wir in einem bewährten und gut funktionierenden Organismus leben – der europäischen Stadt. Dieses Stadtmodell der feinen Differenzierung zwischen öffentlichem und privatem Raum gilt es weiterzuschreiben.



Kooperative Stadtentwicklung 2019